Forschung

 

Unser Verein widmet sich sowohl dem ästhetischen Genuss der Teppiche und Textilien, als auch der aktuellen Forschung. Hier erscheinen Aufsätze unter anderem über die kunsthistorische und kulturanthropologische Aspekte der Teppiche und Textilien. Auch Sie sind herzlich eingeladen, uns Artikel und Stellungsnahmen zuzusenden.

 

 

 

 

„Teppichkunst verbindet“

 

Aby Warburg, Hamburger Kunst- und Kulturhistoriker, hat vor über 100 Jahren gefordert, Kunstgeschichte und Ethnologie mit einander zu verschmelzen. Es hatte allerdings in Deutschland eine lange kosmopolitische Forscher-, und Sammler-Tradition, von Leibniz über die Brüder Humboldt bis Adolf Bastian schon gegeben.

 

Teppiche aus dem „Orient“ kamen schon im Mittelalter, in der Zeit der Renaissance, Romantik und Neuzeit als „Bilderfahrzeuge“ (A. Warburg) nach Europa. Sie sind daher in unzähligen sakralen und weltlichen europäischen Gemälden präsent. Ihre Hochschätzung kennzeichnete die Erkenntnislust, die Weltoffenheit ihrer Bewunderer. Zugleich repräsentierten die Orientteppiche auf Grund ihrer Schönheit und Kostbarkeit den Reichtum und das hohe ästhetische Bewusstsein ihrer Besitzer. Nicht selten haben die Kirchen und Königshäuser, später auch wohlhabende Bürger mit Kunstaffinität die Orientteppiche unter anderem wegen ihrer optischen Strahlkraft, der stimmigen Form- und Farbkomposition, wegen des spirituellen Sinngehalts und nicht zuletzt ihrer handwerklichen Geschicklichkeit und der emotionalen Appelle ihrer Materialien als hochwertige Kunst- und Sammlerobjekte angesehen und sich damit umgeben. 

 

Die Faszination und die Begeisterung für den Orientteppich in Europa führten nicht nur zu seiner stofflichen, sondern auch ästhetischen Rezeption. Vermehrt dienten seine Gestaltungsprinzipien, wie seine formal-stilistischen und inhaltlich-thematischen Qualitäten, als Inspiration und Vorbild für Kunstrichtungen gerade seit der beginnenden klassischen Moderne. Sowohl die organische Einheit von handwerklichem Können und künstlerischem Ausdruck, als auch die haptische Sinnlichkeit der verwendeten Materialien, wie der Wolle, waren die weiteren hochgeschätzten Aspekte der Orientteppiche. 

 

Diese Wirkpotentiale und Befähigungen der Teppiche dienten im Rahmen einer kosmopolitisch liberalen Forscher- und Sammler-Tradition der Förderung von Toleranz, Respekt, Verständigung und kulturelle Bereicherung. Entsprechend wiesen die damit verbundenen Begegnungen, Rezeptionen und Erwerbungen jegliche Engstirnigkeit und dogmatischen Sichtweisen ab. Die Qualifikation und die den Teppichen innewohnende Kraft wirkten vielmahr auf ihre neuen Umwelten als Subjekte und keinesfalls als passive und stumme Objekte. Das „Teppich Museum Berlin“ ist bestrebt, an diese Praxis und Traditionslinie anzuknüpfen. Schon Adolf Bastian, Gründer des Ethnologischen Museums in Berlin, hatte die Vision: In den jeweiligen Sammlungen und Objekten sollte „die Idee einer einzigen Menschheit selbst in den dunkelsten Tagen der Politik leuchten.“

 

Dr. Razi Hejazian

10.10.2025

 

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